Rosa Luxemburg

(Text einer Präsentation, mit Erlaubnis von Heide K., bei der auch die Rechte liegen)

Biografie

Rosa Luxemburg ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten der deutschen sozialistischen Bewegung sowie der Antikriegsbewegung des 1.WKes

Zunächst ein biografischer Aufriss.

Rosalia Luxemburg wurde am 5. März 1871 in Zamocz (Polen), nahe der russischen Grenze geboren. Ihre Eltern waren polnische Juden, die es als Holzhändler zu einem gewissen Wohlstand gebracht hatten.

Sie besuchte das Gymnasium in Warschau und trat schon im Alter von 16 Jahren der Partei „Sozialistische revolutionäre Partei Proletariat“ bei, die sich später in „Sozialdemokratie des Königreichs Polens“ (SDKP) umbenannte.

1889 floh sie vor einer drohender Verhaftung in die Schweiz nach Zürich, wo sie Nationalökonomie studierte. 1893 unterbrach sie ihr Studium vorübergehend wegen ihrer politischen Aktivitäten.

(z.B. Gründung der polnischen sozialdemokratischen Zeitschrift „Sache der Arbeiter“), die in Paris erschien, orientiert sich gegen die Nationalistische Politik der polnische sozialistischen Partei(PPS)

1897 schloss sie ihr Studium mit der Promotion über die industrielle Entwicklung Polens ab.

1898 zog sie nach Berlin und heiratete den Deutschen Gustav Lübeck. Diese Scheinehe wurde 1903 geschieden. Die erworbene deutsche Staatsbürgerschaft ermöglichte ihr die Mitarbeit in der deutschen Arbeiterbewegung. Sie schloss sich der SPD an und war bald eine ihrer bekanntesten Vertreterinnen.

Als sich die SPD weigerte, ihre Idee eines Zusammenschlusses der europäischen Arbeiterparteien und eines Generalstreiks zur Verhinderung beziehungsweise Beendigung des ersten WKes zu unterstützen, verließ sie die Partei.

Vor und nach Kriegsausbruch organisierte sie Antikriegsdemonstrationen. Wegen ihrer Agitation gegen den Krieg war sie von Februar 1915 bis November 1918 mit kurzen Unterbrechungen in Haft, setzte aber ihre politische Tätigkeit auch aus der Haft fort.

Anfang 1919 half Rosa dabei, den sogenannten „Spartakusaufstand“ zu organisieren. Dieser wurde auf Befehl des Reichsinnenministers Noske blutig niedergeschlagen. Die Anführer der Spartakusgruppe waren deshalb auf der Flucht von einem Versteck zum nächsten.

Am 15.Januar 1919 wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in einem dieser Verstecke aufgespürt, entführt und ermordet.

Das Denken und Handeln von Rosa Luxemburg und seine Auswirkungen

Sie war eine herausragende Vertreterin demokratisch-sozialistischen Denkens und Handelns in Europa. Mit all ihrer Kraft versuchte sie, den Weltkrieg, der dann von 1914 bis 1918 tobte, zu verhindern.

Den Kern ihres politisches Denken bildete die Theorie vom Zusammenbruchs des Kapitalismus und die Notwendigkeit einer sozialistischen Revolution. Neben Karl Liebknecht war sie die wichtigste Repräsentantin linkssozialistischer, internationalistischer und antimilitaristischer Positionen in der SPD. Sie begrüßte die russische Revolution, blieb aber als revolutionäre Demokratin kritisch und wach gegenüber der diktatorischen Politik der Bolschewiki. Sie propagierte außerparlamentarischen Aktionen wie Massen- und Generalstreiks und Demonstrationen.

Ihre Utopie war die einer neuen Welt, in der die Verzweiflung, die Entrechtung, die Feigheit und die Korruption der Macht keine Rolle mehr spielten. Sie war geprägt durch ihren Willen zu einem selbstbestimmtem Leben – gegen die engen Vorstellungen ihrer Zeit.

Rosa Luxemburg war eine promovierte Akademikerin – zu einer Zeit, da noch kaum Frauen studierten. Sie war eine der wenigen Frauen in der aktiven Politik, und sie beschränkte sich nicht wie viele auf den Kampf für die Frauenrechte.

Rosa Luxemburg vertrat eine konsequent klassenkämpferische und revolutionäre Haltung. Sie wurde wegen ihrer engagierten Reden und analytischen Fähigkeiten rasch zur Wortführerin des linken Parteiflügels. So griff sie 1899 mit einer Artikelserie in der angesehenen Leipziger Volkszeitung in die sogenannte Revisionismusdebatte ein. Sie bestand darauf, dass der Sozialismus nur durch eine Machtübernahme des Proletariats und eine Umwälzung der Produktionsverhältnisse zu erreichen sei.

Als politische Autorin verfasste sie zahlreiche zeitkritische Aufsätze und ökonomische Analysen.

Sie arbeitete regelmäßig an verschiedenen sozialistischen Zeitungen, z.b bei der „Neuen Zeit“ mit war lange Jahre wichtige Mitarbeiterin der SPD-Zeitung „Vorwärts“.

Oft sprach sie auf Massenveranstaltungen und erregte dabei großes Aufsehen. Die Hörerschaft ihrer Reden ging in die Tausende. Natürlich äußerten sich auch Gegner. So wurde sie einmal in dem galizischen sozialdemokratischen Blatt „Arbeitersache“ als „hysterisches und zänkisches Frauenzimmer“ bezeichnet. Auch international wuchs ihre Bekanntheit. 1910 erschien in der „New York Times“ ein ausführlicher Artikel über sie.

Als Parteidozentin schrieb sie unter anderem ab 1907 eine allgemeinverständliche "Einführung in die Nationalökonomie", die aber erst 1925 erschien. Zu ihren Schülern gehörte auch Friedrich Ebert.

Als ihr Hauptwerk gilt  "Die Akkumulation des Kapitals" von 1913, eine Fortschreibung der Marxschen Analyse.

Schon vor 1914 schrieb sie Artikel u. a. in der Leipziger Volkszeitung, bis 1918 auch in der Haft und während der Novemberrevolution als Herausgeberin der Zeitung „Die Rote Fahne“. . Gegen die Kriegsunterstützung der SPD gründete sie zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 die „Gruppe Internationale“ Anfang 1915 sammelte sich um Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg der Kern der innerparteilichen Opposition gegen den neuen Kurs der SPD Ab 1916 nannte sich diese Gruppe „Spartakusbund“.

Von 30. Dezember 1918 bis 1. Januar 1919 vereinigten sich der Spartakusbund mit anderen linksradikale Gruppen zur Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), deren Programmschrift sie hauptsächlich verfasste. Am 5./6. Januar 1919 organisierten KPD, USPD und Metallarbeiter in Berlin eine Massendemonstration, den so genannten Spartakusaufstand, der von Freikorpstruppen blutig niedergeschlagen wurde.

Die Ermordung und ihre Begleitumstände

Am 15. Januar 1919 wurde Rosa L. in der Wohnung von Freunden verhaftet.

Wilhelm Pieck, der sie an diesem Abend aufsuchen wollte, berichtete später, dass Rosa von mehreren Soldaten bewacht wurde. Diese zwangen sie und Pieck in ein Auto zu steigen, das nach kurzer Fahrt vor dem Eden-Hotel hielt. Rosa Luxemburg wurde dort sofort von Hauptmann Pabst vernommen.

Als Rosa Luxemburg aus dem Eden-Hotel abtransportiert werden sollte, schlug ihr der bei der Tür bereitstehende Jäger Otto Wilhelm Runge auf den Kopf, so dass sie umfiel. Man schob Frau Luxemburg in den Wagen. Als der Wagen abfuhr, sprang ein Mann von hinten auf und schlug sie erneut mit einem harten Gegenstand auf den Kopf. Unterwegs schoss ihr angeblich Oberleutnant Vogel, in Wirklichkeit aber Leutnant Souchon, eine Kugel durch den Kopf. Ihre Leiche warf man auf Befehl Vogels in den Landwehrkanal. Der Leichnam Rosa Luxemburgs wurde erst am 31. Mai an Land geschwemmt und am 13. Juni in Berlin beigesetzt.

Am Tag nach dem Mord meldete die “BZ am Mittag”,: “Liebknecht auf der Flucht erschossen – Rosa Luxemburg von der Menge getötet”

In der (bürgerlichen) Vossischen Zeitung war zu lesen: „Als [der Wagen] sich langsam in Bewegung setzte, sprang plötzlich ein Mann aus der Menge auf das Trittbrett und gab auf Frau Luxemburg einen Pistolenschuss ab. Der Wagen mit der Leiche [...], wurde in der Nähe des Kanals [...] zum Anhalten aufgefordert. [...]. In diesem Augenblick drängte sich eine zahlreiche Menschenmenge an den Wagen heran, sprang auf die Trittbretter und zerrte unter den Rufen: Das ist die Rosa! den Körper der Frau Luxemburg aus dem Wagen heraus. Die Menge verschwand mit ihr in der Dunkelheit.“

Nach den Meldungen über die Ermordung wurde der Fall nur noch im SPD-Blatt „Vorwärts“ und der USPD-Zeitung „Freiheit“, und zwar kontrovers weiter verfolgt. Die bürgerliche Presse äußerte sich nicht mehr.

Im Prozess um den Mord sagte der Anklagevertreter in seinem Plädoyer: “Als am 16. Januar die Tageszeitungen die Nachricht von dem gewaltsamen Tode des Dr. Karl Liebknecht und der Frau Rosa Luxemburg brachten, da hat wohl mancher im Innern gedacht und haben es vielleicht auch viele ausgesprochen: Gott sei Dank, daß wir von diesen Menschen endlich befreit sind!“ Gegen beide hatte sich im Laufe der Revolution, namentlich nach den letzten Januarunruhen, die kurz voraufgegangen waren, eine ganz gewaltige Erbitterung angehäuft. Beide waren Führer der sogenannten Spartakistenpartei, die als Urheber der Unruhen angesehen wurde, und galten als gemeingefährliche Verbrecher, die die anderen Bürger in den Bürgerkrieg hineingehetzt hatten und eigentlich ihren Tod verdient hätten.“

Die Verantwortlichen für das Verbrechen wurden nie ernsthaft zur Rechenschaft gezogen. Oberleutnant Vogel, der den Mord an Rosa Luxemburg auf sich nahm, konnte dank der Hilfe von Minister Noske aus Deutschland fliehen. Jäger Runge musste eine zweijährige Haftstrafe nicht antreten. Der eigentlich Verantwortliche für die Geschehnisse im Hotel Eden, Hauptmann Pabst, wurde nicht einmal angeklagt und machte unter den Nazis Karriere als Waffenfabrikant. 1962 konnte er sich in einem Spiegel-Interview damit brüsten, dass er die beiden Kommunistenführer „richten“ ließ. Es gab keine juristische Reaktion darauf. In seinen Memoiren erklärte er, dass er die Zustimmung von Noske und Reichspräsident Ebert(SPD) zu den Morden gehabt habe.

Würdigung

In Erinnerung bleibt Rosa sowohl für ihre enormen intellektuellen und rhetorischen Fähigkeiten als auch als Frau, die ihren Prinzipien stets treu geblieben ist. Sie verknüpfte Frauenfragen mit Fragen der Arbeiterklasse und war überzeugt, dass sich Frauen durch die soziale Revolution von den ökonomischen Fesseln ihrer Familien befreien können.

Mit der Ermordung Luxemburgs (und Liebknechts) verlor die Kommunistsche Partei Deutschlands ihre profiliertesten Führer und engagiertesten Theoretiker. Der Verlust dieser Vordenkerin traf den deutschen Kommunismus schwer und führte zu einer dauerhaften Kluft zur Sozialdemokratie.

Ihr wohl bekanntestes Zitat steht in starkem Kontrast zu dem Weg, den der Kommunismus später einschlug.

Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder der einen Partei - mögen sie noch so zahlreich sein - ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit des Andersdenkenden.

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